Žernovník
Die zweite Station unserer Reise sind die Quellen des Baches Žernovník, der entlang der alten Straße von Jablonec nad Nisou in Richtung Huta entspringt.
Der Bachbrunnen war seit jeher für sein heilendes Wasser bekannt. Noch in den frühen 1880er Jahren war er von mächtigen Buchen umgeben, deren Stämme mit Votivbildern geschmückt waren. Der Ort wurde sorgsam gepflegt, denn nahe der Quelle stand der Opferstein, in dem die deutsche Bevölkerung einen alten Altar ihrer germanischen Vorfahren sah. Die Gutsverwaltung jedoch hatte weder Sinn für die Romantik eines kleinen Wallfahrtsortes noch für den Schutz des alten Baumbestandes oder die germanische Mythologie. Sie verkaufte den Opferstein an Steinmetze, und die mächtigen Buchen landeten schließlich im Sägewerk des Guts.
Dies ist ein Ort, der von regionalen Mythen umwoben ist. Neben dem bereits erwähnten Opferstein ist die Gegend auch mit der Legende vom Skelett verbunden. Der Legende nach irrte ein verwundeter Soldat während der Schlesischen Kriege in die Quelle und stürzte in einen engen, tiefen Schacht mit klarem Wasser. Dadurch drohte die Quelle verunreinigt zu werden und die Pest zu verbreiten. Doch der nahegelegene Arzt Kittel sprach einen Zauber aus, der das Wasser die ganze Nacht zum Kochen brachte; am Morgen war nur noch ein weißes Skelett übrig, und die Gefahr war gebannt.
Ähnliche Gerüchte über die Entdeckung toter Soldaten sind auch im Gebiet des Zittau-Gebirges verbreitet.
Die Gegend ist auch mit archäologischen Funden verbunden, denn nur wenige Kilometer entfernt, in Jistebsko und Velké Hamry, befinden sich die größten bekannten neolithischen Abbaugebiete des Isergebirges. Hier wurde im 6. Jahrtausend v. Chr. außergewöhnlich hartes Amphibol-Metabasit abgebaut, aus dem wertvolle Steinäxte und andere geschliffene Werkzeuge gefertigt wurden. Untersuchungen belegen die Existenz Tausender Abbaugruben, Produktionsstätten mit Feuerstellen und einer großen Menge an bearbeiteten Steingeräten, was die spezialisierte und langjährige Produktion dieser Werkzeuge belegt. Es ist daher wahrscheinlich, dass die alten Wege rund um die Quellen von Žernovník von Menschen begangen wurden, die an diesen Produktionszentren beteiligt waren oder zumindest durch sie hindurchführten. Neolithische Äxte aus dem Isergebirge wurden anschließend weit verbreitet und finden sich in zahlreichen Siedlungen in Böhmen, Mähren und den Nachbarländern; sie sind stumme Beweise dafür, dass selbst dieses scheinbar abgelegene Quellgebiet Teil weitreichender Kontakte und Produktionskreisläufe prähistorischer Zeit war.